.404 Jeffery

| .404 Jeffery | |
|---|---|
| .30-06, .375 H&H Mag., .404 Jeffery, .505 Gibbs | |
| Allgemeine Informationen | |
| Kaliber | 10,75x73 |
| Hülsenform | Randlos mit Ausziehrille |
| Entstanden | 1909 |
| Konstrukteur | W. J. Jeffery & Co. |
| Mutterhülse | |
| Maße | |
| Ø Hülsenschulter | 13,46 mm |
| Ø Hülsenhals | 11,48 mm |
| Ø Geschoss | 10,75 mm (.423") |
| Hülsenlänge | 73,02 mm |
| Ø Patronenboden | 13,79 mm |
| Drall | 420,00 mm |
| Gewichte | |
| Geschossgewicht | 22-26 g (400 grs.) |
| Technische Daten | |
| Geschwindigkeit V100 | |
| Energie E100 | |
| max. Gasdruck | 3650 Bar CIP |
| GEE | 140 m |
Herkunft & Historischer Kontext
Die .404 Jeffery (auch bezeichnet als .404 Rimless Nitro Express bzw. metrisch 10,75×73 mm) wurde 1905 von W. J. Jeffery & Co. in London eingeführt. Sie entstand, um die Leistung der damals beliebten Doppelbüchsen‑/Cordit‑Ladungen (.450/400 Nitro Express 3"‑Typ) in einem randlosen Patronenformat für Repetier‑ und Kastenladungsgewehre zu bieten. Die Patrone wurde schnell bei Safarijägern und Wildhütern in Afrika beliebt, weil sie kraftvolle Wirkung mit vergleichsweise handhabbarem Rückstoß verband.
Nennmaße / technische Daten (C.I.P. / typische Angaben)
Kaliber / Projektildurchmesser: ≈ .423″ (10,72 mm) (Rillenmaß).
Hülsentyp: randlos, Flaschenhals (rimless, bottleneck).
Hülsenlänge: ≈ 73,02 mm (≈ 2,87″).
Gesamtlänge: ≈ 89,66 mm (≈ 3,53″).
Hülsenvolumen / Kapazität: etwa 7,32 cm³ (je nach Messmethode).
Zulässiger Maximaldruck (C.I.P.): Werte sind standardisiert (siehe C.I.P. / Norma‑Daten).
(Die obigen Zahlen basieren auf C.I.P.‑/Referenzangaben und gängigen technischen Tabellen; leichte Abweichungen je nach Quelle/Hersteller sind möglich.)
Ballistik — typische Fabrik-/Historische Ladungen
Die .404 Jeffery wurde historisch mit zwei Hauptladungen angeboten, die unterschiedliche Einsatzzwecke abdeckten:
300 gr (≈19,4 g) Geschoß bei ~2.600 ft/s (≈792 m/s) — gedacht für dünnhäutiges Wild und Langschüsse; hohe Geschwindigkeit, aber das leichtere Geschoß erwies sich in der Praxis gegen sehr schweres Wild oft als suboptimal.
400 gr (≈25,9 g) Geschoß bei ~2.125 ft/s (≈648 m/s) — traditionelle Dangerous‑Game‑Ladung mit rund 4.000–4.200 ft·lb Mündungsenergie; diese Ladung wurde als die „Haupt“-Anwendung für Büffel, Löwe und andere schwere Tiere angesehen. Moderne (hochwertige) Fabrikladungen erreichen mit 400 gr häufig auch ≈2.300 ft/s und damit Energien um 4.600–4.700 ft·lb.
Kurz gefasst: die .404 liefert in ihrer populärsten 400‑gr‑Konfiguration „klassische“ Großwild‑Performance, vergleichbar (aber nicht immer identisch) mit anderen .41x/.40x‑Magnums.
Ballistische Einordnung & Einsatzgebiet
Einsatzbereich: gefährliches Großwild (z. B. afrikanischer Büffel, Löwe, Elefant — je nach Geschosswahl und Treffpunkt).
Stärke der Patrone: hohe Masseträgheit des 400‑gr‑Projektils führt zu sehr guter Energieübertragung und Durchschlagskraft bei korrekt konstruierten Geschossen (solids, bonded softpoints). Viele Jäger loben die .404 für „wirksame Energie bei moderatem Rückstoß“ im Vergleich zu einigen stärkeren .416‑Kalibern.
Waffen & Verbreitung
Die Patrone wurde in zahlreichen Mauser‑Sporter‑Umsetzungen, in Repetierbüchsen und in spezialgefertigten Safari‑Gewehren verbaut; im 20. Jahrhundert war sie eines der Standardkaliber vieler Afrikajäger. Auch heute existieren noch Gewehre im Kaliber .404 (Sporter, Replikate und moderne Neuauflagen), und verschiedene Munitionshersteller — darunter Norma und spezialisierte Anbieter — stellen hin und wieder Fabrikmunition oder Custom‑Brass zur Verfügung.
Vor‑ und Nachteile / Praxisbeurteilung
Vorteile
Sehr hohe Wirksamkeit auf gefährlichem Wild bei korrekter Geschosswahl.
Für die gebotene Energie häufig moderaterer Rückstoß im Vergleich zu einigen alternativen Magnums (subjektiv empfunden).
Gute Auswahl an .423"‑Geschossen (gemeinsame Bullets mit anderen Großwildpatronen) — erleichtert Wiederladen.
Nachteile / Einschränkungen
Ursprünglich weniger Verbreitung als einige andere Großwild‑Kaliber (.416 Rigby, .470, .505), wodurch Fabrikmunition historisch zeitweise schwerer verfügbar war. Heute hat sich die Versorgungslage durch Spezialhersteller verbessert, bleibt aber nicht so universell wie bei Mainstream‑Magnums.
Moderne Nutzbarkeit & Wiederladen
Wiederladen: .423"‑Geschosse (300–450 gr) sind gängig; für gefährliches Wild werden moderne bonded bullets oder solide, vormantelte Geschosse empfohlen, um ausreichende Penetration und Zuverlässigkeit zu gewährleisten.
Verfügbarkeit: Hersteller wie Norma (und einige Spezialanbieter/Custom‑Brass‑Fertiger) bieten heute wieder Ladungen oder Komponenten; viele Jäger, die .404‑Gewehre besitzen, laden selbst nach geprüften Daten.
Vergleich zu verwandten Kalibern (kurz)
.416 Rigby / .416 Rem Mag.: diese .416‑Patronen schießen ein kleineres Kaliber (.416") bei oft etwas höheren Geschwindigkeiten; ballistisch sind sie eng verwandt mit der .404, die größere Querschnittsfläche (.423") hat. In der Praxis entscheidet Geschosswahl, Treffpunkt und Waffentyp über die letztendliche Tauglichkeit. Viele erfahrene Jäger sehen die .404 Jeffery als gleichwertig praktikabel für Dangerous Game, mit einem leichten Vor‑ oder Nachteil je nach Ladung im direkten Vergleich.
Fazit — kurz
Die .404 Jeffery ist eine historisch bewährte, leistungsfähige Großwildpatrone (10,75×73 mm) mit starker Tradition in Afrika. Sie kombiniert hohe Mündungsenergie (insbesondere mit 400‑gr‑Geschossen), gute Tiefenwirkung bei passenden Projektilen und praktische Handhabbarkeit in Repetier‑Safari‑Gewehren. Für moderne Jagdanwendungen ist sie nach wie vor eine ernstzunehmende Option, solange adäquate Geschosse und verantwortungsvolle Ladedaten verwendet werden.
Die .404 Jeffery ist die Mutterhülse der .257 Jamison, 6,5 mm BME, .26 Nosler, .264 Jamison, .277 Jamison, 7 mm Blaser Mag., 7 mm BME, 7 mm Canadian Mag., 7 mm Dakota, 7 mm RUM, 7x66 Brenneke, 7x66 SE vom Hofe, .28 Nosler, .284 Jamison, 7,65x70, 7,65x77, .30 Jamison, .30 Newton, .30 Nosler, .30/404 Imp., .300 Blaser Mag., .300 Canadian Mag., .300 WSM, .300 Dakota, .300 Jamison, .300 RAM, .300 RUM, .308 Corbon, .309 MBM, .311 Canadian Mag., 8 mm MBM, 8 mm/404 Jeffery, .33 Nosler, .330 Dakota, 8x66 Brenneke, .333 Jeffery Rimless, .338 A&H Mag., .338 Abe Express, .338 Blaser Mag., .338 BME, .338 Canadian Mag., .338 Jamison, .338 MBM, .338 RAM, .338 RUM, .338/404 Express, .350 Jamison, .360 Canadian Mag., 9,3x66 Brenneke,9,3x70, .375 Blaser Mag., .375 BME, .375 Breeding, .375 Dakota, .375 Jamison, .375 RAM, .375 RUM, 9,3x75 vom Hofe Maximum, 9,5x73 Miller & Greiss Mag., .375 Canadian Mag., .404 Dakota, .404/.416 US Jeffery Wildcat, .416 Dakota, .416 Jamison, .416 Tatanka, .416 Van Horn, .416 Win. Express, .416/404 Jeffery, .423 Dakota, .423 Van Horn, .435 Nitro Express, .44 Ganyana, .450 G&S Short Mag., .450 Ultra Bolliger, .450 Vincent Long, .450 Vincent Short, .458 African, .460 G&A, .460 Guns & Ammo Long.
Weitere Bezeichnungen
- .404 Rimless
- .404 Rimless Nitro Express
- .404 Rimless N. E.
- 10,75x73
- .404 Magnum Schüler
Ballistische Werte
aktuelle Werkslaborierungen (Auswahl)
| Fabrikat | Geschossart | Gewicht (g) | V0 (m/sec.) | V100 (m/sec.) | V200 (m/sec.) | E0 (Joule) | E100 (Joule) | E200 (Joule) | GEE | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Romey | TM | 25,92 | 680 | 611 | 547 | 5993 | 4843 | 3877 | 144 | |
| Romey | VM | 25,92 | 680 | 611 | 547 | 5993 | 4843 | 3877 | 144 |
Vergleich
| Kaliber | Fabrikat | Geschossart | Gewicht (g) | V0 (m/sec.) | V100 (m/sec.) | V200 (m/sec.) | E0 (Joule) | E100 (Joule) | E200 (Joule) | GEE | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| .375 H&H Mag. | RWS | TUG | 19,50 | 790 | 704 | 624 | 6087 | 4838 | 3799 | 162 | |
| .416 Rigby | Romey | TM | 26,57 | 710 | 638 | 570 | 6697 | 5409 | 4320 | 149 | |
| 10,75x68 | |||||||||||
| .404 Jeffery | Romey | TM | 25,92 | 680 | 611 | 547 | 5993 | 4843 | 3877 | 144 | |
| .425 Westley Richards | Romey | TM | 26,57 | 705 | 627 | 554 | 6603 | 5223 | 4079 | 148 |
Weitere Informationen
Literatur
- Heigel, Hans: Großwildkaliber .404 Jeffery und .416 Rigby. Wiedergeburt. In: Jäger, 3/1989, S. 42-43
- Heigel, Hans: Durchschlagende Argumente. Alte und neue Dickhäuterkaliber. In: Jäger, 8/1996, S. 32-33
- Heigel, Hans: Arbeitspferd. .404 Rimless N.E.. In: Deutsches Waffen Journal, 2/2013, S. 102-103
- Jones, Barry: The .404 Jeffery. In: Australian Hunter. No. 28, S. 91
- Klups, Norbert .404 Jeffery. In: Jagen weltweit. 4/1999, S. 34f.
- Massaro, Philip: Top 5 Safari Cartridges. .416 Rigby, .458 Winchester Mag., .404 Jeffery, .416 Remington Mag., .375 Holland & Holland Mag.. In: American Hunter, 11.02.2016 (abgerufen am 08.12.2019)
- Massaro, Philip: Behind the Bullet: .404 Jeffery. In: American Hunter, 09.06.2017 (abgerufen am 09.12.2019)
- Massaro, Philip: Head to Head: .404 Jeffery vs. .416 Rigby. In: American Hunter, 05.04.2019 (abgerufen am 09.12.2019)
- Massaro, Philip: .40-Caliber Cartridges: Marvelously In The Middle Big Bores. .405 Win., .450/400 3" N.E., .400 H&H Mag., .416 Rigby, .416 Rem. Mag., .416 Weath. Mag., .416 Ruger, .416 Taylor, .500/416 N.E., .404 Jeffery, .425 Westley Richards. auf: Gun digest, 08.10.2020, (abgerufen am 23.07.2022)
- Numßen, Sascha: Außer Rand und Band. Patronenporträt .404 Jeffery. In: Pirsch, 2/2013, S. 48-53
- Petzal, David E.: The 10 Most Underrated Cartridges. .222 Remington, .220 Swift, .250 Savage, .257 Roberts, .25/06 Remington, 6.5x55 Swede, 7x57 Mauser, 9.3x62 Mauser, .404 Jeffery, .480 Ruger. In: Range365.com, 20.06.2018, (abgerufen am 18.02.2020)
- Techel, Hansi: Dicke Brocken. Folge 2: Deutsche Großwildpatronen der Firma August Schüler, Suhl. In: Deutsches Waffen Journal, 10/2001, S. 108-110
- Walt, Pierre van der: African Dangerous Game Cartridges. 2012
- Zeitler, Roland: .404 Jeffery. In: Jagen weltweit, 5/2005, S. 39
