10,75x68

Aus Jagdfibel
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10,75x68
425express.jpg
10,75x68, .425 Express, .416 Taylor, .404 Jeffery
Allgemeine Informationen
Kaliber 10,75x68
Hülsenform Randlos mit Ausziehrille
Entstanden ca. 1910
Konstrukteur Mauser
Mutterhülse
Maße
Ø Hülsenschulter 12,20 mm
Ø Hülsenhals 11,51 mm
Ø Geschoss 10,74 mm (.423")
Hülsenlänge 68,00 mm
Ø Patronenboden 12,57 mm
Drall 420,00 mm
Gewichte
Geschossgewicht
Technische Daten
Geschwindigkeit V100
Energie E100
max. Gasdruck 3300 Bar CIP
GEE

Überblick & Herkunft

Der 10,75×68 Mauser (auch oft als .423 Mauser bezeichnet) ist eine im frühen 20. Jahrhundert von Mauser eingeführte, inzwischen veraltete zentralfeuer-Gewehrpatrone in metrischer Nomenklatur. Sie wurde Anfang der 1920er Jahre als Großwild-/Safari-Patrone für Mauser-Sportgewehre entwickelt und in Oberndorf sowie von diversen europäischen Herstellern in Jagdwaffen verbaut.

Physikalische und technische Daten (typische Werte)

Kaliber (durchmesser): etwa .423″ (≈10,75 mm).

Hülsenform: randlos, Flaschenhals (rimless, bottleneck).

Hülsenlänge / Gesamtlänge: in der Literatur wird die Hülsenlänge typischerweise mit ≈68 mm (≈2,67″) und die Gesamtlänge mit ≈3,19″ angegeben.

Standardgeschossgewicht: oft um 347 gr (≈22,5 g) bei traditionellen Fabrikladungen.

Typische Mündungsgeschwindigkeit (für 347 gr): ca. 2.200–2.250 ft/s (≈670–685 m/s).

Energie an der Mündung: grob 3.800–3.900 ft·lb (je nach Ladung).

Ballistische Einordnung & Einsatzbereich

Die Patrone war primär als Großwild-/Safari-Patrone gedacht und wurde weit verbreitet von Jägern in Afrika und Indien verwendet. In der Praxis lagen ihre Einsatzgebiete bei mittelgroßem bis sehr großem Wild — einige Jäger setzten sie sogar gegen Büffel und Elefant ein. Aufgrund der vergleichsweise großen Geschossquerschnitts wurde sie als harte „stopping“ Patrone betrachtet, zugleich aber wegen der zu jener Zeit verwendeten Geschossformen in Frage gestellt.

Stärken und Schwächen (historische Einschätzung)

Stärken:

Relativ kräftige Energie und „bleibende“ Wirkung durch großkalibrige Geschosse.

Wurde in relativ leichten Mauser-Sportgewehren angeboten, wodurch handliche Safari-Gewehre möglich waren.

Gutes Rufbild bei Anwendern, die die Kombination aus großem Kaliber und Mauser-System schätzten.

Schwächen / Kritikpunkte:

Sectional density (Formzahl / Längsdichte) der damals gebräuchlichen ~347-gr-Geschosse war relativ niedrig — das wirkt sich negativ auf Tiefenwirkung/Dringen aus. Viele klassische Jagdautoren (z. B. Taylor-Schule) bemängelten, dass die Fabrikgeschosse jener Zeit nicht ausreichend tief eindrangen, speziell bei Elefantenkopfschüssen oder schrägen Schultertreffern auf Büffel.

Die frühen Mantelgeschosse neigten dazu, bei manchen Treffern nicht ausreichend zu expandieren bzw. nicht die gewünschte Penetration zu liefern — daher teilweise schlechter Ruf trotz an sich ausreichend Energie.

Mit modernen, hochgewichtigen und konstruktionsmäßig verbesserten Bleigeschossen (z. B. stumpfere, schwerere HP/solid-Bullets) ist die Patrone ballistisch besser zu bewerten; historisch war die mangelnde Geschosswahl aber das größte Problem.

Waffen & Verbreitung

Die Patrone wurde vornehmlich in Mauser-98-Sporter-Gewehren (Oberndorf/anderen Werkstätten) eingebaut; daneben existieren Umbauten und Sporter-Versionen verschiedener Hersteller (z. B. Francotte, Brno-Typen, etc.). In vielen früheren Kolonialgebieten (Afrika, Indien) war die Patrone wegen günstiger Mauser-Sporter und ausreichender Leistungsfähigkeit beliebt.

Nachladen / Heutige Versorgung

Da die Patrone längst „obsolet“ ist, sind Fabrikmunition und Hülsen seltener, aber bei Speziallieferanten bzw. Case-Herstellern (z. B. Bertram, diverse Custom-Brass-Anbieter) nachzubesorgen; auch Umform-/Bertram-Hülsen und Wiederlade-daten werden in Spezialforen und Nachlade-datenbanken diskutiert. Wer heute mit der Patrone schießen will, kann mit moderner Pulver- und Geschosswahl deutlich bessere Ergebnisse erzielen als in den 1920–1940er Jahren.

Fazit — kurz und bündig

Der 10,75×68 Mauser (.423 Mauser) ist eine klassische Großwild-Patrone der 1920er Jahre: kräftig, handhabbar in Mauser-Sporter-Gewehren und historisch weit verbreitet in Afrika/Indien. Ihre historische Schwäche lag weniger in Energie als in der damals verfügbaren Geschosskonzeption (geringe Tiefenwirkung / Penetration). Mit modernen Geschossen und Ladepraktiken ist die Patrone technisch durchaus konkurrenzfähig zu ähnlichen Großwildkalibern, bleibt jedoch wegen Ersatz- und Modernisierungsgrad eine Nischenmunition für Sammler / Liebhaber. Bis 1972 wurde sie von DWM und bis 1991 von RWS gefertigt.

Sie bildet die Mutterhülse der 9,3x63, 10,75x63.

Weitere Bezeichnungen

  • 10,75x68 Mauser
  • 10,75x68 DWM
  • .350/.423 Rimless
  • .423 Mauser
  • DWM 515A
  • SAA 7100

Ballistische Werte

Vergleich

Kaliber Fabrikat Geschossart Gewicht (g) V0 (m/sec.) V100 (m/sec.) V200 (m/sec.) E0 (Joule) E100 (Joule) E200 (Joule) GEE
.375 H&H Mag. RWS TUG 19,50 790 704 624 6087 4838 3799 162
.416 Rigby Romey TM 26,57 710 638 570 6697 5409 4320 149
10,75x68
.404 Jeffery Romey TM 25,92 680 611 547 5993 4843 3877 144
.425 Westley Richards Romey TM 26,57 705 627 554 6603 5223 4079 148

Weitere Informationen

Literatur