Wolfsgrube

Wolfsgruben, auch Wolfskaule, Wolfskuhle, Wolfsfang genannt, früher übliche Fallgrube zum Fang von Wölfen.
- siehe auch: Fuchsgrube
- siehe auch: Wolfsgarten
- siehe auch: Wolfsstein
- siehe auch: Wolfswarte
Wolfsgruben waren steile, zumeist mit Holzpfählen verstärkte oder auch gemauerte runde Gruben. Sie waren etwa 3 bis 5 Meter tief und hatten einen Durchmesser von 1,5 bis 3,5 Meter. In der Mitte der Grube befand sich ein Pfahl, mit einem daran befestigten runden Holzpodest oder einem Rad. Auf diesem Podest wurde ein Lamm, eine Ziege oder auch Geflügel als Köder angebunden. Der Rest der Grube wurde entweder mit Reisig und Ästen oder mit klappbaren Deckeln abgedeckt bzw. getarnt. In flacheren Gruben wurden zusätzlich angespitzte Pfähle oder Fangeisen aufgestellt. Versuchte der Wolf, zum Köder zu springen, fiel er in die so präparierte Fanggrube.
Bezeichnungen, wie Wolfsdelle, -kehle, -loch (auch als Flurnamen, Wolfsloch), -grube, -kaut oder -falle erinnern an Vorkommen und Bejagung des Wolfes.
Wolfsfänge wurden in Deutschland noch bis ins 18. Jahrhundert benutzt.
Wolfsgruben waren ab dem frühen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert üblich. Bereits Karl der Große befahl, dass Wölfe mittels Wolfsgruben gejagt werden sollten. Interessanterweise ist das Wissen um diese Jagdmethode heute nahezu vollständig in Vergessenheit geraten, obwohl erst 1882 der letzte Wolf im Fichtelgebirge erschossen wurde. Die Jagdmethode selbst war jedoch sehr verbreitet. Bisher sind allein aus Süddeutschland über 40 Standorte mit häufig mehreren Fanggruben bekannt. Flurnamen wie Wolfsgrube, Wolfsgrubenacker, Wolfsgarten, Wolfsluder, Wolfsgraben, Grubenholz sowie Wolfsloch sind sehr häufig und lassen erahnen, wie verbreitet diese Form der Wolfsjagd ursprünglich war. [1]
Bei Zwenzow (Mecklenburg-Vorpommern) ist ein 1712 errichteter, rekonstruierter Wolfsfang zu besichtigen.
Wolfsgruben
Deutschland
- Ritterstein "Wolfsgrub"
- Ritterstein "Wolfsgrube"
- Wolfsgrube bei Freudenstadt
- Wolfsgrube Crottendorf
- Wolfsgrube Cursdorf
- Wolfsgrube Forbach
- Wolfsgrube bei Heroldsberg
- Wolfsgrube Hobbach
- Wolfsgrube Hohenwart
- Wolfsgrube bei Ittelshofen
- Wolfsgrube Kalkhorst
- Wolfsgrube Saatfeld
- Wolfsgrube Stühlingen
- Wolfsgrube Thurnau
- Wolfsgrube Zwenzow
- Wolfsgrube im Naturpark Steinwald
- Wolfsgrube am Kottmar
Schweden
Literatur
- Fähnrich, H.: Wolfsgruben – vergessene Jagddenkmäler- (Landkreise Tirschenreuth und Cham), in: Beiträge zur Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz 15, 1992, 71-73.
- Fähnrich, H.: Wolfsgruben, heute Jagddenkmäler. in: Wir am Steinwald 16, 2008, 157-159.
- Müller, D: „die Wolff mit der wollfs Gruben zu fahen, jst überauß gemein und sehr leichlich zu machen“. Wolfsgruben – Denkmäler historischer Jagdausübung, in: Denkmalpflege in Bad Württemberg 24, 1995, 73-84.
- Müller, D.: Der Schacht – eine frühneuzeitliche Wolfsgrube. in: G. Wieland, Die keltischen Viereckschanzen von Fellbach-Schmieden und Ehningen. Forschungen und Berichte zur Vor- und Frühgeschichte in Baden Württemberg, 80 (Stuttgart 1999) 180-195.
- Nießen, Iris: Die Wolfsgrube vom Steinwald, Wir am Steinwald 18, 2010, 145-149.
- Nießen, Iris: Ergebnisse der Grabungskampagne 2011 an der Wolfsgrube im Steinwald, Wir am Steinwald 19, 2011, 102-109.
- Nießen, Iris: Die Wolfsgrube im Naturpark Steinwald. Archäologie - Jagdgeschichte - Waldnutzung. Bodner, E; 1. Edition, 2012
- gebaut/gejagt/vergessen – Archäologische Ausgrabung im Wolfsgarten (Bischofsgrün, Lkr. Bay-reuth), Ochsenkopfblick, Zeitschrift des Fichtelgebirgsvereins, 33. Jahrgang, Nr. 3, 2013, 4-9.
- Nießen, Iris: Gebaut, gejagt, vergessen – Wolfsgruben als archäologisches Denkmal. Gastbeitrag auf archaeologik.blogspot.de, 13. November 2013
- Wolfsgarten – Bischofsgrün. Archäologische Ausgrabung im Wolfsgarten bei Hirschhaid, Siebenstern, Vereinszeitschrift des Fichtelgebirgsvereins e.V., 1-2014, 6-8.
- Nießen, Iris: Wolfsgruben als Bodendenkmal – Ein neuzeitlicher Wolfsgarten im Bischofsgrüner Forst, Gemeinde Bischofsgrün, Landkreis Bayreuth, Oberfranken, Das archäologische Jahr in Bayern 2013, 2014, 180-182.
- Archäologische Ausgrabung im Wolfsgarten bei Hirschhaid durch die FGV-Ortsgruppe Bischofsgrün. als pdf zum download
- Nießen, Iris: Historische Wolfsjagd im Fichtelgebirge. Archäologische Ausgrabungen im Bischofgrüner Forst. In: Unser Fichtelgebirge 5 (Wunsiedel 2015) 181-194.
- Der Wolfsgarten im Bischofsgrüner Forst. Archäologie und Geschichte zur Wolfsjagd im Fichtelgebirge. Bischofsgrüner Schätze 10 (Bischofsgrün 2015)
Weitere Informationen
- Wikipedia - Wolfskuhle (abgerufen am 24.06.2022)
- Gesellschaft Steinwaldia Pullenreuth - Die Wolfsgrube im Naturpark Steinwald (abgerufen am 24.06.2022)
- Freundeskreis Wölfe - Historische Orte (abgerufen am 18.07.2022)
Fussnoten
- ↑ Nießen, Iris: Die Wolfsgrube im Naturpark Steinwald. Archäologie - Jagdgeschichte - Waldnutzung. Bodner, E; 1. Edition, 2012
