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Altbaum

Aus der Wissensdatenbank Jagdfibel

Altbaum bezeichnet einen älteren, häufig bereits ausgewachsenen Baum, der aufgrund seines Alters, seiner Größe und seiner besonderen Strukturen eine hohe ökologische Bedeutung besitzen kann. Altbäume sind insbesondere in Wäldern, Parkanlagen, Alleen und alten Kulturlandschaften wichtige Lebensräume für zahlreiche Tier-, Pflanzen- und Pilzarten.

Das Alter, ab dem ein Baum als Altbaum bezeichnet wird, lässt sich nicht allgemein durch eine bestimmte Jahreszahl festlegen. Es hängt von Baumart, Standort, Wuchsleistung und den örtlichen Verhältnissen ab.

Merkmale

Altbäume weisen häufig charakteristische Strukturen auf, die bei jüngeren Bäumen noch nicht oder nur selten vorhanden sind.

Dazu gehören:

  • große Baumkronen,
  • starke Stämme,
  • grobe und strukturreiche Borke,
  • Stammhöhlen,
  • Asthöhlen,
  • Rindentaschen,
  • Spalten und Risse,
  • Totholzäste,
  • abgestorbene Kronenteile,
  • Saftflussstellen und
  • Pilzkörper.

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baum mehrere dieser Strukturen gleichzeitig entwickelt.

Ökologische Bedeutung

Altbäume gehören zu den ökologisch wertvollsten Einzelbäumen eines Waldbestandes. Sie bieten Nahrung, Versteckmöglichkeiten, Brutplätze und Überwinterungsquartiere für zahlreiche Organismen.

Von besonderer Bedeutung sind natürliche Baumhöhlen. Sie können unter anderem von Fledermäusen, Spechten, Eulen und verschiedenen Höhlenbrütern genutzt werden.

Auch Insekten, Spinnen, Pilze, Flechten und Moose können auf oder in alten Bäumen leben.

Baumhöhlen

Höhlen entstehen unter anderem durch die Tätigkeit von Spechten, durch abgestorbene Äste, Verletzungen oder die Zersetzung des Holzes durch Pilze.

Nach dem Auszug eines Höhlenbauers kann eine Baumhöhle von zahlreichen anderen Arten übernommen werden.

Zu den möglichen Höhlenbewohnern gehören:

Ein einzelner Altbaum kann dadurch über viele Jahre hinweg als Lebensraum für unterschiedliche Arten dienen.

Totholz

Abgestorbene Äste und Stammteile gehören zu den typischen Strukturen alter Bäume.

Das entstehende Totholz wird von zahlreichen Organismen besiedelt. Besonders holzbewohnende Käfer, Pilze und Mikroorganismen sind auf abgestorbenes Holz angewiesen.

Altbäume bilden daher häufig gleichzeitig Lebensraum und Ausgangspunkt für die Entstehung von Totholzstrukturen.

Bedeutung für Vögel

Alte Bäume sind wichtige Brut- und Schlafplätze für zahlreiche Vogelarten.

Spechte können Höhlen in starken Stämmen und Ästen anlegen. Ihre verlassenen Höhlen werden anschließend von anderen Vogelarten genutzt.

Große alte Bäume können außerdem Horstbäume für Greifvögel und andere größere Vogelarten sein.

Bedeutung für Fledermäuse

Baumhöhlen, Spalten und abstehende Rinde können von Fledermäusen als Tagesquartiere, Wochenstuben oder Überwinterungsplätze genutzt werden.

Besonders wertvoll sind alte Bäume mit mehreren Höhlen und Spalten in unterschiedlichen Höhen.

Der Erhalt geeigneter Altbäume ist deshalb ein wichtiger Bestandteil des Fledermausschutzes.

Altbaum und Pilze

Alte Bäume bieten zahlreichen Pilzarten geeignete Lebensbedingungen.

Pilze können abgestorbenes Holz abbauen und dadurch zur Bildung von Totholz beitragen. Einige Arten leben außerdem als Parasiten oder Schwächeparasiten an lebenden Bäumen.

Durch den Abbau von Holz werden Nährstoffe wieder in den Stoffkreislauf des Waldes zurückgeführt.

Altbäume im Wald

Im Wirtschaftswald werden Bäume häufig vor dem Erreichen ihres natürlichen Höchstalters genutzt. Dadurch können besonders alte Entwicklungsstadien seltener werden.

Der gezielte Erhalt einzelner Altbäume kann dazu beitragen, typische Strukturen alter Wälder auch in bewirtschafteten Wäldern zu erhalten.

Solche Bäume werden teilweise als Biotopbäume oder Habitatbäume bezeichnet.

Altbaumgruppen

Neben einzelnen Altbäumen sind Gruppen alter Bäume von besonderer Bedeutung. Mehrere Altbäume können gemeinsam eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensraumstrukturen bereitstellen.

In alten Waldbeständen können solche Strukturen Teil eines Altholzbestandes sein.

Bedeutung für Wildtiere

Altbäume bieten auch zahlreichen jagdlich relevanten Wildarten Deckung, Nahrung oder geeignete Strukturen.

Insekten und andere Wirbellose, die an alten Bäumen vorkommen, können wiederum eine Nahrungsquelle für Vögel und Säugetiere darstellen.

Hohle und stark strukturierte Bäume können außerdem als Rückzugsorte für verschiedene Kleinsäuger dienen.

Altbaum und Jagd

Für die Jagd besitzen Altbäume vor allem als Bestandteil eines strukturreichen Lebensraumes Bedeutung.

Alte Bäume können die Struktur von Waldrevieren verbessern und gemeinsam mit Totholz, Naturverjüngung, Dickungen und Waldrändern ein vielfältiges Mosaik unterschiedlicher Lebensräume bilden.

Der Erhalt solcher Strukturen kann damit sowohl dem Naturschutz als auch der Lebensraumqualität für Wildtiere dienen.

Verkehrssicherung

Altbäume können aufgrund ihres Alters und ihrer Größe besondere Anforderungen an die Verkehrssicherheit stellen.

Abgestorbene Äste, Stammhöhlen und Fäulnis können die Bruch- oder Standsicherheit beeinflussen. An Straßen, Wegen, Gebäuden und anderen öffentlich zugänglichen Bereichen müssen deshalb gegebenenfalls regelmäßige Kontrollen durchgeführt werden.

Eine mögliche Gefährdung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ein Altbaum vollständig beseitigt werden muss. Je nach Standort können beispielsweise Kronensicherungsmaßnahmen oder die Entfernung einzelner gefährlicher Äste ausreichen.

Schutz von Altbäumen

Der Schutz von Altbäumen kann durch unterschiedliche Maßnahmen erfolgen.

Dazu gehören:

  • Erhalt alter Bäume bis zum natürlichen Absterben,
  • Schutz von Baumhöhlen,
  • Erhalt von Totholz,
  • Förderung von Biotopbäumen,
  • Belassen einzelner Altbäume bei der Holzernte und
  • Schaffung neuer Altersstrukturen im Wald.

Besonders wertvoll ist eine kontinuierliche Entwicklung von Bäumen unterschiedlicher Altersstufen.

Altbaum und Klimawandel

Der Klimawandel kann die Lebensbedingungen alter Bäume verändern. Trockenheit, Hitze, Stürme und neue Schadorganismen können die Vitalität einzelner Bäume beeinträchtigen.

Gleichzeitig besitzen alte Bäume durch ihre großen Kronen und umfangreichen Wurzelsysteme eine besondere Bedeutung für den Kohlenstoffspeicher und den Wasserhaushalt von Waldökosystemen.

Altbaum als Kulturdenkmal

Einzelne besonders alte oder auffällige Bäume besitzen neben ihrer ökologischen auch eine kulturhistorische Bedeutung.

Solche Bäume können als Naturdenkmale geschützt sein. Sie stehen teilweise an alten Wegen, auf Dorfplätzen, bei Höfen oder in historischen Parkanlagen und können mit regionalen Ereignissen oder Überlieferungen verbunden sein.

siehe auch: Altholz
siehe auch: Biotopbaum
siehe auch: Habitatbaum
siehe auch: Totholz
siehe auch: Baumhöhle
siehe auch: Spechte
siehe auch: Fledertiere
siehe auch: Waldökosystem
siehe auch: Naturschutz
siehe auch: Waldbau
siehe auch: Kulturlandschaft
Quellen und Bearbeitung
Dieser Artikel wurde für die Jagdfibel redaktionell erstellt und anhand der angegebenen Fachliteratur und Quellen bearbeitet.
Jagdfibel ist ein deutschsprachiges Fachlexikon zu Jagd, Wild, Natur, Ökologie, Jagdkultur und jagdlicher Terminologie.