Wildcatkaliber
Weitere Optionen
Wildcatkaliber, auch Wildcat genannt, sind nicht standardisierte Kaliber bzw. Patronen, die von einzelnen Entwicklern, Büchsenmachern, Wiederladern oder Schützen nach eigenen Vorstellungen und Anforderungen entwickelt wurden. Sie entstehen meist aus dem Wunsch heraus, Eigenschaften zu erreichen, die durch handelsübliche Fabrikpatronen nicht oder nur unzureichend angeboten werden.
Wildcats werden häufig von passionierten Wiederladern entwickelt, die eine bestimmte Kombination aus Geschossdurchmesser, Geschossgewicht, Geschwindigkeit, Präzision oder Rückstoßverhalten erreichen möchten. Häufig stehen dabei spezielle Anforderungen für die Jagd oder das sportliche Schießen im Vordergrund.
Ein klassischer Entwicklungsweg ist die Veränderung einer bereits vorhandenen Mutterhülse. Diese wird durch verschiedene Verfahren wie Umformen, Einziehen, Aufweiten, Kürzen oder Verändern des Schulterwinkels angepasst. Ziel ist es, das Hülsenvolumen, die Geschossführung oder die ballistischen Eigenschaften der Patrone zu verändern.
Bei vielen Wildcats handelt es sich um sogenannte verbesserte Versionen bestehender Patronen (Improved). Dabei wird häufig der Schulterwinkel steiler gestaltet und das Hülsenvolumen vergrößert. Dadurch kann bei gleichem zulässigem Gasdruck mehr Treibladung verwendet werden, was zu höheren Geschossgeschwindigkeiten führen kann.
Eine weitere Gruppe von Wildcats entsteht durch die Anpassung des Geschossdurchmessers. Dabei wird eine vorhandene Hülse auf ein anderes Kaliber eingezogen oder aufgeweitet. Beispiele sind Patronen, die aus einer bestehenden Hülse leistungsfähige Varianten für kleinere oder größere Geschosse entwickeln.
Der überwiegende Anteil der Wildcats wurde ursprünglich für das sportliche Schießen auf große Entfernungen entwickelt. Besonders im Bereich des Präzisionsschießens entstanden zahlreiche Varianten, die auf maximale Geschwindigkeit, geringe Streuung und optimale Außenballistik ausgelegt sind.
Auch im jagdlichen Bereich spielen Wildcats eine Rolle. Hier entstehen sie häufig aus dem Wunsch nach besonderen Eigenschaften, beispielsweise einer besonders gestreckten Flugbahn, hoher Geschosswirkung bei geringem Rückstoß oder einer speziellen Anpassung an bestimmte Wildarten.
Da Wildcats keine genormten Patronen sind, existieren häufig keine allgemein gültigen Maße und keine serienmäßige Fertigung durch große Munitionshersteller. Die Herstellung erfolgt meist durch den Wiederlader selbst oder durch spezialisierte Büchsenmacher. Dafür müssen Patronenlager, Werkzeuge und Ladedaten exakt aufeinander abgestimmt werden.
Einige Wildcats haben im Laufe der Zeit eine so große Verbreitung gefunden, dass sie von Munitionsherstellern übernommen und als standardisierte Serienpatronen eingeführt wurden. Beispiele hierfür sind die .22-250 Remington und die 6,5-284 Norma.
Weitere bekannte Patronen mit Ursprung als Wildcat sind unter anderem:
- .243 Winchester (aus der .308 Winchester entwickelt)
- 7 mm-08 Remington (aus der .308 Winchester entwickelt)
- .260 Remington (aus der .308 Winchester entwickelt)
- 6 mm XC
- .338-06 A-Square
- siehe auch: Proprietary Cartridge
- siehe auch: Mutterhülse
- siehe auch: Improved-Patrone
- siehe auch: Wiederladen
Weitere Informationen
- Peter Weismann - Wildcats (abgerufen am 29.06.2014)
- Are Wildcat Cartridges Overrated. Ron Spomer Outdoors vom 22.03.2023, (abgerufen am 23.03.2023)
Literatur
- Czerny, Martin: Wildcat-Jagdpatronen oder - Wie man hierzulande zu Wildkatzen kommt, die auf keiner Liste stehen. In: Deutsches Waffen Journal, 1/1990, S. 96-103
- Czerny, Martin: Wildcat-Jagdpatronen oder - Wie man hierzulande zu Wildkatzen kommt, die auf keiner Liste stehen. In: Deutsches Waffen Journal, 2/1990, S. 220-226
- Czerny, Martin: Wildcat-Jagdpatronen oder - Wie man hierzulande zu Wildkatzen kommt, die auf keiner Liste stehen. In: Deutsches Waffen Journal, 3/1990, S. 376-378