Deutsche Jagdbibliothek

Entstehung und Hintergrund
Die Deutsche Jagdbibliothek ist eine der bedeutendsten Spezialbibliotheken Europas für Jagd‑, Forst‑ und Wildtierliteratur.
Sie entstand nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Zusammenführung mehrerer privater Sammlungen, die aus unterschiedlichen Gründen ihre ursprünglichen Standorte verloren hatten oder verstreut wurden.
Ein zentraler Auslöser war die Zerstreuung der Bibliotheca Tiliana von Prof. Dr. Kurt Lindner (1906–1987), einer der größten deutschen Jagdbibliotheken des 20. Jahrhunderts.
Zielsetzung
Die Bibliothek wurde gegründet, um Spezialliteratur zur Jagd, Falknerei, Forstwesen und Wildbiologie dauerhaft zu bewahren und für Forschung, Literaturhistoriker und Jagdinteressierte zugänglich zu machen.
Schwerpunkte sind insbesondere:
- Historische Jagdhandbücher (16.–20. Jahrhundert)
- Jagdrecht, Wildhege, Waffenkunde
- Falknerei, Hundewesen (Kynologie), Pferde (Hippologie)
- Jagdkunst, Jagdethik und Kulturgeschichte der Jagd
Bestände und Sammlungen
Die Bibliothek umfasst mehrere tausend Bände: Bücher, Manuskripte, Kataloge, Zeitschriften und Illustrationen.
Bedeutende Teilbestände stammen aus den Sammlungen folgender Persönlichkeiten:
- Kurt Lindner – Bibliotheca Tiliana
- Charles F. G. R. Schwerdt – britische Sammlung zu Jagd, Falknerei und Shooting
- Franz Reichard von Reichardsperg / Biblioteka Julińska – Jagd- und Forstliteratur des 19. Jahrhunderts
Viele Werke tragen Exlibris oder Provenienzvermerke dieser früheren Sammler, was für Provenienzforschung und Bibliografie von besonderem Wert ist.
Organisation und Nutzung
Die Deutsche Jagdbibliothek ist systematisch gegliedert, oft nach:
- Fachbereichen (Recht, Hege, Technik)
- Ländern / Sprachen
- Zeitepochen (historische Jagdhandbücher, moderne Literatur)
Sie dient sowohl als Forschungsbibliothek für Historiker, Rechts- und Forstwissenschaftler als auch für praktische Jagdinteressierte.
Der Katalog ist teilweise digitalisiert und wird in Fachkreisen für Nachweis seltener Jagdtitel genutzt.
Bedeutung
Historisch und kulturwissenschaftlich bietet die Bibliothek ein einzigartiges Bild der Jagdkultur in Deutschland und Europa über mehrere Jahrhunderte.
Sie ist ein Referenzpunkt für Sammler, Bibliographen und Historiker, besonders für die Nachverfolgung von Exlibris, Editionen und regionalen Jagdtraditionen.
Durch die Konsolidierung mehrerer Privatbibliotheken konnte der Verlust seltener Jagdwerke verhindert werden, die andernfalls verstreut oder verloren gegangen wären.
Literatur
- Schwartz, Heiko / Zobel, Roland: Die Deutsche Jagdbibliothek entsteht. In: Die neue Neudammerin, III/2008
- Zobel, Roland: Deutsche Jagdbibliothek eröffnet. In: Die neue Neudammerin, III/2009
- / Festetics, Antal / Makowski, Henry: Plädoyer für eine Deutsche Jagdbibliothek. In: Die neue Neudammerin, III/2010
- Deutsche Jagdbibliothek und Ostpreußisches Landesmuseum arbeiten zusammen. In: Die neue Neudammerin, III/2012
- Aktuelles aus der Deutschen Jagdbibliothek. Wildbretküche. In: Die neue Neudammerin, IV/2012
- Aktuelles aus der Deutschen Jagdbibliothek. Otto Keller, Thiere des classischen Alterthums in culturgeschichtlicher Beziehung. In: Die neue Neudammerin, I/2013
- Aktuelles aus der Deutschen Jagdbibliothek. Ins Schwarze getroffen. In: Die neue Neudammerin, II/2013
- Aktuelles aus der Deutschen Jagdbibliothek. Naturgeschichte der Jäger. In: Die neue Neudammerin, III/2013
- Aktuelles aus der Deutschen Jagdbibliothek. Kleine Jagd-Encyclopädie. - Dank an die Förderer. In: Die neue Neudammerin, IV/2013
- Aktuelles aus der Deutschen Jagdbibliothek. Die erste internationale Jagdausstellung Wien 1910. In: Die neue Neudammerin, I/2014
- Aktuelles aus der Deutschen Jagdbibliothek. Albert Preuss „Lehrbuch des Flintenschießens“ (1905). In: Die neue Neudammerin, II/2014
- Aktuelles aus der Deutschen Jagdbibliothek. Die DJB wird 5 Jahre alt. - Stiftungsrat Walter Schwartz 70 Jahre. In: Die neue Neudammerin, III/2014
Weitere Informationen
- Schumacher, Jochen: Die Deutsche Jagdbibliothek. Jagdgeschichte(n) in vielen Büchern, Heften und Gemälden. Interview mit Heiko Schwartz. Veröffentlicht am 17.02.2018. (link)
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