.400/.375 H&H

| .400/.375 Holland & Holland | |
|---|---|
| .400/.375 H&H, .240 Weath. Mag. | |
| Allgemeine Informationen | |
| Kaliber | 9,5x63 |
| Hülsenform | Randlos mit Gürtel und Ausziehrille |
| Entstanden | 1905 |
| Konstrukteur | |
| Mutterhülse | .375 H&H Mag. |
| Maße | |
| Ø Hülsenschulter | |
| Ø Hülsenhals | |
| Ø Geschoss | 9,46 mm |
| Hülsenlänge | 63,38 mm |
| Ø Patronenboden | 11,78 mm |
| Drall | |
| Gewichte | |
| Geschossgewicht | |
| Technische Daten | |
| Geschwindigkeit V100 | |
| Energie E100 | |
| max. Gasdruck | |
| GEE | |
Herkunft und Historie
Die .400/.375 H&H wurde im Jahr 1905 von Holland & Holland (H&H) eingeführt.
Sie ist historisch bedeutsam, weil sie die erste kommerzielle Patrone mit Gürtelhülse (belted case) war — also die erste Gürtelpatrone überhaupt.
Der Gürtel wurde eingeführt, um bei stark kegelförmigen (stark konischen) Hülsen einen definierten Verschlussabstand (Headspace) zu gewährleisten, ohne auf Randhülse oder starre Schulter als Bezug zurückzugreifen.
Die Bezeichnung lautete oft „.400/.375 Belted Nitro Express“ — die Kaliberangabe verweist auf einen Geschossdurchmesser von .375 Zoll (≈ 9,5 mm).
Trotz ihrer Innovation setzte sie sich nur mäßig durch — der aufkommende Erfolg der Patrone 9,3x62 mm Mauser sowie später die Einführung der deutlich leistungsstärkeren .375 H&H Magnum (1912) beendete weitgehend die weitere Verbreitung der .400/.375 H&H.
Technische Daten & Ballistik
Die wesentlichen Kennwerte der .400/.375 H&H (zum Zeitpunkt ihrer Einführung) lassen sich wie folgt zusammenfassen:
- Kaliber (Geschoss): .375″ (≈ 9,5 mm)
- Hülse: Belted, bottleneck (Konus-Hülse mit Gürtel am Hülsenboden)
- Hülsenlänge: ca. 2,5" (Hülsenmaß)
- Patronenlänge: ca. 3,00" Gesamtpatronenlänge (je nach Herstellerangaben)
Standardladungen (historisch):
- 270 gr Geschoss mit etwa 2.150 fps → ca. 2.770 ft-lb Energie
- 235 gr Geschoss mit etwa 2.400 fps → ca. 2.840 ft-lb Energie
Bedeutung & Funktion der Gürtelhülse
Der Gürtel bei der .400/.375 H&H war revolutionär — er löste das Problem, dass stark kegelige Hülsen mit flacher Schulter oft keinen zuverlässigen Headspace ermöglichten. Mit dem Gürtel konnte:
- der Verschlussabstand stabil definiert werden,
- gleichzeitig die Vorteile der beltless (rand- oder randlos ohne Gürtel) Patrone in Bezug auf Magazinbedienung und Zuführung erhalten bleiben.
Damit legte H&H die Grundlage für alle späteren „Magnum“-Gürtelpatronen, von der .375 H&H Magnum über Klassiker wie .300 H&H bis hin zu modernen Großwildkalibern.
Verwendung und Performance / Warum sie scheiterte
Ursprüngliche Zielsetzung:
- H&H wollte eine Universal- / Allround-Patrone anbieten für sowohl mittleres wie auch größeres Wild, insbesondere für Reviere in Afrika und Asien — dort, wo zuverlässige Patrone mit ausreichender Wirkung gefragt waren.
Probleme und Schwächen:
- Die ballistische Leistung erwies sich als nur mäßig im Vergleich zu Konkurrenzpatronen wie 9,3×62 mm Mauser. Die Kombination aus Geschossgewicht und Geschwindigkeit reichte vielen Jägern für schweres oder gefährliches Wild nicht aus.
- Die Einführung der .375 H&H Magnum — mit größerem Hülse, mehr Pulvervolumen und deutlich höherem Energiepotenzial — machte die .400/.375 schnell obsolet.
Damit blieb die .400/.375 meist eine historische Fußnote — interessant aus Blick auf Innovation und Technik, aber kaum verbreitet im jagdlichen Alltag.
Bedeutung für die Entwicklung moderner Patronen
Trotz des Misserfolgs als Standardpatrone hat die .400/.375 H&H eine immense historische Bedeutung:
- Geburtsstunde der Gürtelpatronen („Belted Magnums“) — ein Prinzip, das Jahrzehnte später die Grundlage für unzählige Magnum-Patronen bildete.
- Ihre Konstruktion (belted case + bottleneck + moderates Maß) wurde später in der .375 H&H Magnum optimiert und perfektioniert — diese Patrone ist bis heute weltweiter Standard für Großwildjagd.
- Damit markiert die .400/.375 H&H einen wichtigen Übergang in der Jagd- und Munitionsgeschichte: weg von Rand- und Nitro-Express-Patronen, hin zu randlosen, magnum-fähigen Patronen für Repetierbüchsen und Magnum-Repetierer.
Fazit: Ein historisch wertvoller Vorläufer der modernen Magnum-Ära
Die .400/.375 H&H ist keine Leistungsspitze – im Gegenteil: Sie blieb in ihrer Wirkung hinter späteren Entwicklungen zurück. Aber sie ist ein Meilenstein der Waffen- und Munitionsgeschichte: Sie zeigte erstmals, wie man Gürtelhülsen sinnvoll einsetzte, und begründete die Kategorie der magnum-tauglichen Gürtelpatronen.
Für Sammler, Waffenhistoriker und Liebhaber klassischer Jagdpatronen ist sie ein interessantes Zeugnis früher 20.-Jahrhundert-Entwicklungen – und eine Brücke zwischen Nitro-Express-Ära und moderner Magnumtechnologie.
Sie bildet die Mutterhülse der .400/375 Nitro, .411 Ryan
Weitere Bezeichnungen
- .400/.375 Beldet N.E.
- .400-.375 Belted Nitro Express Holland & Holland
- .400-.375 Belted Nitro Express
- .400-.375 Belted H&H Nitro Express
- .400-.375 Holland & Holland
- 9x63 H&H
- SAA 5950
- XCR 09 063 BFC 020
Weitere Informationen
Municion .400/375 H&H (Spanisch)
Literatur
- Zeitler, Roland: Traditionsreicher Jagdwaffenhersteller mit gutem Ruf um den Globus. Holland & Holland. In: Deutsche Jagd-Zeitung, 12/1990, S. 50-51
