Geweih

Geweih, früher auch Weih genannt, die aus Knochenmasse bestehende Stirnwaffen bei den Hirscharten außer Rehwild (Gehörn).
Das Geweih besteht nicht aus Horn oder Knochenhaut, wie man manchmal vermutet, sondern aus echtem Knochengewebe – also einer Verknöcherung, die aus dem Stirnbein des Schädels herauswächst.
Hier ist der Aufbau im Detail:
1. Grundsubstanz
Das Geweih besteht hauptsächlich aus Knochengewebe (Ossa), also Kalziumphosphat, Kalziumkarbonat und organischen Bestandteilen (v. a. Kollagenfasern). Es ist damit in seiner chemischen Zusammensetzung echtem Skelettknochen sehr ähnlich.
2. Wachstum und Bastphase
Das Geweih wächst jährlich neu aus den sogenannten Rosenstöcken (Pedikeln) am Stirnbein.
Während des Wachstums ist es von einer gut durchbluteten Hautschicht, dem Bast, überzogen.
In dieser Phase ist das Geweih weich und von Blutgefäßen durchzogen – es besteht dann überwiegend aus knorpeligem Vorläufergewebe, das sich nach und nach mineralisiert.
3. Verknöcherung und Fegen
Sobald das Geweih ausgewachsen ist, verkalkt es vollständig.
Der Bast stirbt ab und wird vom Hirsch an Büschen und Bäumen abgefegt, wodurch das harte, blanke Geweih sichtbar wird.
Das fertige Geweih ist ein toter Knochen, der keine Blutversorgung mehr hat.
4. Abwurf und Neubildung
Nach der Brunft wird das Geweih jährlich abgeworfen, weil sich zwischen Rosenstock und Geweihbasis eine Trennschicht (Abwurfzone) bildet.
Anschließend beginnt sofort das neue Wachstum – ein einzigartiger biologischer Kreislauf unter den Säugetieren.
- siehe auch: Gehörn
- siehe auch: Gewicht
- siehe auch: Glattes Geweih
- siehe auch: Krauses Geweih
Weitere Informationen
- Jägersprache kurz&knapp:Unterschied Gehörn und Geweih. Interview mit Frank Pohlmann, auf: Niedersächsischer Jäger, (abgerufen am 18.08.2023)
Literatur
- Günther, J. O. H.: Vollständiges Taschen-Wörterbuch der Jägersprache. Für Jäger und Jagdfreunde. Jena, 1840
- Heppe, Christian Wilhelm von: Einheimischer und ausländischer wohlredender Jäger: oder nach alphabetischer Ordnung gegründeter Rapport derer Holz-, Forst- und Jagd-Kunstwörter nach verschiedener teutscher Mundart und Landesgewohnheit. Regensburg: Montag, 1763, S. 143
- Ueckermann, Erhard: Die Bewertung von Jagdtrophäen. 3. Rothirschgeweihe. In: Wild und Hund, 2/1986, S. 26-28
