Brockes, Barthold Heinrich

Aus Jagdfibel
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Barthold Heinrich Brockes. Porträt des Altonaer Malers Dominicus van der Smissen (1704 - 1760)

Brockes, Barthold Heinrich (auch: Bertold Hinrich Brockes), gesprochen: Brooks (* 22. September 1680 in Hamburg, † 16. Januar 1747 in Hamburg) war ein bedeutender Barock-Dichter. Er übersetzte aber auch Schriften aus dem englichen, französischen und italienische ins Deutsche.

Brockes entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Hamburger Kaufmannsfamilie und war zeitlebens in der Lage sich seinen literarischen Interessen zu widmen. Von 1700 bis 1702 studierte er Jura und Philosophie in Halle.

In seinem Hauptwerk Irdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten (Gedichte, 9 Bde., 1721-48) verstand Brockes die Natur als Mittler zwischen Gott und den Menschen. Nach Brockes war nicht nur die Schönheit der Natur ein Beweis der Existenz Gottes, darüber hinaus bot sie die Möglichkeit, wenn man sie erst einmal verstanden hat, den Plan Gottes zu erkennen. Der Mensch müsse sich nur aufmachen und >die an den Menschen in der Natur allerorts ausgestreuten Mitteilungen zu sammeln und zu lesen< (Blumenberg, 1981, S. 182). Brockes spricht von der >Wortgewalt Gottes in der Natur< (Blumenberg, 1981, S. 180). >Für Brockes war die Lesbarkeit der Welt der Inbegriff des Behagens in ihr gewesen< (Blumenberg, 1981, S. 180).
Brockes Natur- und Gottesverständnis liegt eine Anthropozentrik zu Grunde. Der Mensch ist Adressat der Schöpfung, gleichzeitig aber auch ein Teil der Schöpfung: >es sei die Welt / Ein Buch, das göttliche Geheimniss´ in sich hält: / Ein Buch, das Gottes Hand, aus ewger Huld getrieben, / Zu Seines Namens Ehr, und unsrer Lust, geschrieben / ein Wunder-A, B, C! / Worin als Leser ich und auch als Letter steh!<

Brockes verfasst u.a. die Texte zu den Stichen von Johann Elias Ridinger. Auch Ridinger verstand die Darstellung der Natur, vorallem die der Tiere und der Jagd (als regelnder Umgang mit der Natur), als Möglichkeit, als Bedingung der Natur- und somit Gotterkenntnis. Die Texte Brockes hatten bei Ridinger eine erläuternde, manche sogar eine moralisierende Funktion.

Werke (Auswahl)

  • Fertigkeit zu lesen in dem Buche der Natur
  • Einige Natur-Kräffte, Gesetze und Eigenschaften, zu Ehren ihres allmächtigen Beherrschers
  • Der für die Sünde der Welt gemarterte und Sterbende Jesus (Passionsoratorium, vertont von Georg Friedrich Händel, Reinhard Keiser, Johann Mattheson, Georg Philipp Telemann und Gottfried Heinrich Stölzel), 1712
  • (Übs.) Verteutschter Bethlehemitischer Kinder- Mord des Ritters Marino (nach Strage degli Innocenti von Giambattista Marino), 1715
  • Irdisches Vergnügen in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten (Gedichte, 9 Bde.), 1721-48
  • (Übs.) Aus dem Englischen übersetzter Versuch vom Menschen des Herrn Alexander Pope, 1740
  • (Übs.) Aus dem Englischen übersetzte Jahreszeiten des Herrn James Thomson, 1744

Literatur (Auswahl)

  • Blumenberg, Hans: Die Lesbarkeit der Welt. (besonders: Kap. XIII. Das Hamburger Buch der Natur und sein Königsberger Reflex S. 180ff.) Frankfurt: Suhrkamp 1981
  • Brandl, Alois: Barthold Heinrich Brockes. Innsbruck 1878
  • Friederichs, Henning: Das Verhältnis von Text und Musik in den Brockespassionen Keisers, Händels, Telemanns und Matthesons, München 1975
  • Ketelsen, Uwe-Karsten: Berthold Heinrich Brockes, in: Harald Steinhagen und Benno v. Wiese, Dichter des 17. Jahrhunderts, Hamburg u. Berlin. 1984, 839–851
  • Killy, Walter / Perels, Christoph (Hg.): Die Deutsche Literatur vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Band IV. 18. Jahrhundert. München: dtv, 1983
  • Kleßmann, Eckart: Barthold Hinrich Brockes. Ellert und Richter, Hamburg 2003,
  • Knodt, I.: Barthold Heinrich Brockes. Ein Dichter der Frühaufklärung, Koblenz 1981
  • Loose, H.-D. (Hg.): Berthold Heinrich Brockes. Dichter und Ratsherr in Hamburg. Neue Forschungen zu Persönlichkeit und Wirkung, Hamburg 1980 [mit Bibliographie]