Menü aufrufen
Toggle preferences menu
Persönliches Menü aufrufen
Nicht angemeldet
Ihre IP-Adresse wird öffentlich sichtbar sein, wenn Sie Änderungen vornehmen.

Forstschule Ruhla

Aus der Wissensdatenbank Jagdfibel

Die Forstschule Ruhla war eine von Gottlob König 1805 gegründete private forstliche Lehranstalt in Ruhla bei Eisenach. Sie diente der systematischen Ausbildung junger Forstleute und entwickelte sich zu einer bedeutenden Ausbildungsstätte für den mittleren Forstdienst. König orientierte sich dabei an den forstlichen Lehrmethoden von Carl Christoph Oettelt in Ilmenau und Johann Heinrich Cotta an der Forstschule Zillbach. Im Jahr 1830 wurde die Lehranstalt nach Eisenach verlegt und zur Landesforstschule erhoben. Aus ihr ging die Großherzoglich-Sächsische Forstlehranstalt Eisenach hervor, deren Direktor König bis zu seinem Tod 1849 blieb.[1][2]

Gründung und historische Voraussetzungen

Als Gottlob König 1805 die Stelle eines Revierverwalters im Ruhlaer Forst übernahm, begann er, junge Männer in forstlichen und jagdlichen Kenntnissen zu unterweisen. Die Wälder des Thüringer Waldes waren durch die intensive Nutzung für Bergbau, Hüttenwesen und andere Gewerbe teilweise stark geschädigt. Die Wiederherstellung der Waldbestände und eine geregelte Bewirtschaftung erforderten entsprechend ausgebildete Forstleute, die sowohl praktische Erfahrung als auch Kenntnisse in Vermessung, Waldpflege und Forstverwaltung besaßen.[1][2]

König hatte selbst von 1794 bis 1796 seine forstliche Ausbildung bei Johann Heinrich Cotta in Zillbach erhalten. Anschließend war er im sachsen-weimarischen Jägerkorps tätig und setzte seine Ausbildung unter anderem bei Carl Christoph Oettelt in Ilmenau fort. Darüber hinaus beteiligte er sich an preußischen Forsteinrichtungsarbeiten in Westfalen. Diese Erfahrungen prägten sein Verständnis einer Forstausbildung, die wissenschaftliche Grundlagen und praktische Arbeit miteinander verbinden sollte.[1]

Die Schule entstand zunächst als private Ausbildungsstätte. König nahm die Forstlehrlinge bei sich auf und kümmerte sich nicht nur um deren fachlichen Unterricht, sondern auch um Unterkunft und Verpflegung. Aus der anfänglichen Unterweisung entwickelte sich eine regelmäßig betriebene forstliche Meisterschule, die auch Schüler von außerhalb anzog.[3]

Unterricht und Ausbildungsziele

Die Ausbildung in Ruhla sollte die angehenden Forstleute auf die praktischen Anforderungen des Revierdienstes vorbereiten. Neben den Grundlagen der Forstwirtschaft kam der mathematischen und vermessungstechnischen Ausbildung besondere Bedeutung zu. König verfügte aufgrund seiner eigenen Tätigkeit über Erfahrungen in Geometrie, Forstvermessung und Forsteinrichtung und legte Wert darauf, diese Kenntnisse an seine Schüler weiterzugeben.[1]

Die Ausbildung verband insbesondere:

  • praktische Kenntnisse der Waldwirtschaft und Waldpflege,
  • Grundlagen der Forstwissenschaft,
  • mathematische Kenntnisse und geometrische Vermessung,
  • die Beurteilung und Einrichtung von Waldbeständen,
  • jagdliche Kenntnisse und forstliche Verwaltungspraxis.

Die Verbindung von theoretischem Unterricht und praktischer Erfahrung entsprach dem Bedarf an qualifizierten Revierförstern. König wollte Forstleute heranbilden, die Wälder nicht nur nutzen, sondern deren Zustand beurteilen und ihre langfristige Erhaltung durch geeignete Bewirtschaftungsmaßnahmen sichern konnten.

Anerkennung und Weiterentwicklung

Im Jahr 1813 wurde Königs Lehranstalt landesherrlich anerkannt. Im selben Jahr wurde er zum Oberförster ernannt. 1819 folgte seine Beförderung zum Forstrat. Die zunehmende Anerkennung seiner fachlichen Arbeit ging mit einer Erweiterung seiner Aufgaben in der staatlichen Forstverwaltung einher.[1]

1821 wurde König zum Vorstand der neu eingerichteten großherzoglichen Forsttaxationskommission berufen. In dieser Funktion war er an der systematischen Vermessung, Bewertung und Einrichtung der Wälder des Herzogtums Sachsen-Weimar-Eisenach beteiligt. 1829 erhielt er eine Stellung am Oberforstamt in Eisenach. Die Verbindung dieser Verwaltungsaufgaben mit der forstlichen Ausbildung stärkte die Bedeutung seiner Lehranstalt für die Entwicklung des landesherrlichen Forstwesens.[1]

Verlegung nach Eisenach

Im Jahr 1830 verlegte König seine Schule nach Eisenach. Die Lehranstalt wurde dort als staatliche Einrichtung weitergeführt und erhielt den Rang einer Landesforstschule. Sie entwickelte sich zur Großherzoglich-Sächsischen Forstlehranstalt Eisenach, die später zur Forstakademie aufstieg.[1][4]

König leitete die Lehranstalt bis zu seinem Tod am 22. Oktober 1849. Unter seiner Leitung entwickelte sie sich von einer privaten Meisterschule zu einer überregional anerkannten Ausbildungsstätte. Die Einrichtung bestand über seinen Tod hinaus und wurde 1905 in eine Forstakademie umgewandelt. Sie blieb bis 1915 bestehen.[1][4]

Bedeutung

Die Forstschule Ruhla steht für einen wichtigen Schritt in der Entwicklung der geregelten forstlichen Berufsausbildung in Thüringen. Gottlob König verband die Ausbildung praktischer Forstleute mit mathematischen und wissenschaftlichen Grundlagen und bereitete damit den Weg für eine stärker institutionalisierte Ausbildung im staatlichen Forstdienst.

Zugleich war seine Lehrtätigkeit eng mit den waldbaulichen Problemen seiner Zeit verbunden. König setzte sich für die Wiederbewaldung geschädigter Flächen, die Verbesserung der Bestände und eine planmäßige Bewirtschaftung der Wälder ein. Die Forstschule diente somit nicht allein der beruflichen Qualifikation, sondern unterstützte auch die Erneuerung der Wälder im Ruhlaer Raum und die Professionalisierung der Forstverwaltung in Sachsen-Weimar-Eisenach.[2][1]

Siehe auch: Forstschule

Weblinks

Einzelnachweise

  1. ↑ 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 1,5 1,6 1,7 1,8 „König, Gottlob“, Deutsche Biographie.
  2. ↑ 2,0 2,1 2,2 Stadt Ruhla: Nachhaltigkeit und Forstgeschichte.
  3. ↑ Gottlob König, biografischer Eintrag der Allgemeinen Deutschen Biographie in der Deutschen Biographie.
  4. ↑ 4,0 4,1 Großherzoglich-Sächsische Forstlehranstalt Eisenach.
Quellen und Bearbeitung
Dieser Artikel wurde für die Jagdfibel redaktionell erstellt und anhand der angegebenen Fachliteratur und Quellen bearbeitet.
Jagdfibel ist ein deutschsprachiges Fachlexikon zu Jagd, Wild, Natur, Ökologie, Jagdkultur und jagdlicher Terminologie.